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Wissenschaftliche Grundlage

Bewertungsmethodik

Ein Blick auf die wissenschaftliche Grundlage, die klinischen Referenzen und die Gestaltungsprinzipien hinter unserem ADHS-Selbsttest.

Klinische Grundlage

DSM-5-Diagnosekriterien

Unsere Bewertung basiert auf dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, fünfte Ausgabe (DSM-5), herausgegeben von der American Psychiatric Association. Das DSM-5 unterscheidet drei Erscheinungsformen von ADHS:

  • Vorwiegend unaufmerksame Erscheinungsform — Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, Aufgaben zu organisieren und Anweisungen zu befolgen
  • Vorwiegend hyperaktiv-impulsive Erscheinungsform — Zappeln, Unruhe, Schwierigkeiten beim Warten, Unterbrechen anderer
  • Kombinierte Erscheinungsform — Erfüllung der Kriterien für sowohl unaufmerksame als auch hyperaktiv-impulsive Symptome

ASRS v1.1 Screening-Skala

Unsere Fragen orientieren sich an der Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS-v1.1), die in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt wurde. Die ASRS ist weltweit eines der am umfassendsten validierten Screening-Tools für ADHS bei Erwachsenen.

Quelle: Kessler RC, Adler L, Ames M, et al. The World Health Organization Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS): a short screening scale for use in the general population. Psychological Medicine. 2005;35(2):245-256.

Unsere fünf Bewertungskategorien

Wir haben unsere 18 Fragen in fünf Kategorien gegliedert, die das gesamte Spektrum ADHS-bezogener Erfahrungen abbilden, einschließlich oft übersehener Dimensionen wie emotionale Regulation und Zeitwahrnehmung.

1. Aufmerksamkeit (6 Fragen)

Erfasst die zentralen unaufmerksamen Symptome: Schwierigkeiten, Aufgaben abzuschließen, organisatorische Herausforderungen, Vergesslichkeit, Aufgabenvermeidung, gedankliches Abschweifen und das Verlieren von Gegenständen.

Berücksichtigte DSM-5-Kriterien: A1a, A1b, A1d, A1e, A1h, A1i

2. Unruhe (4 Fragen)

Bewertet Hyperaktivitätssymptome, angepasst an Erwachsene: körperliche Unruhe, Schwierigkeiten beim Entspannen, zwanghaftes Multitasking und das Gefühl, "wie von einem Motor angetrieben" zu sein.

Berücksichtigte DSM-5-Kriterien: A2a, A2b, A2c (angepasst an die Erscheinungsform bei Erwachsenen)

3. Impulsivität (4 Fragen)

Untersucht impulsive Verhaltensweisen: Unterbrechen anderer, Vervollständigen von Sätzen, impulsive Entscheidungen/Käufe und Schwierigkeiten beim Warten.

Berücksichtigte DSM-5-Kriterien: A2g, A2h, A2i

4. Emotionale Regulation (2 Fragen)

Behandelt die emotionale Dysregulation, die zunehmend als ein zentrales Merkmal von ADHS anerkannt wird: Stimmungsschwankungen und emotionale Überforderung.

Forschungsgrundlage: Barkleys Modell der Exekutivfunktionen; Studien zur emotionalen Labilität von Shaw et al.

5. Zeitwahrnehmung (2 Fragen)

Untersucht Zeitblindheit (das Unterschätzen der Aufgabendauer) und Hyperfokus — die paradoxe Fähigkeit, sich übermäßig auf fesselnde Aufgaben zu konzentrieren.

Forschungsgrundlage: Barkleys Forschung zur Zeitwahrnehmung; Hyperfokus-Studien von Hupfeld et al.

Auswertungsmethodik

Antwortskala

Jede Frage verwendet eine 5-stufige Likert-Skala, entsprechend dem ASRS-Format:

0
Nie
1
Selten
2
Manchmal
3
Oft
4
Sehr oft

Berechnung der Punktzahl

  • Gesamtpunktzahl: Summe aller 18 Antworten (Bereich: 0-72)
  • Prozentsatz: (Gesamtpunktzahl / 72) x 100
  • Kategoriewerte: Jede Kategorie wird unabhängig als Prozentsatz ihres Maximums berechnet

Bereiche zur Ergebnisinterpretation

0-24%
Geringe Anzeichen
Weniger ADHS-bezogene Erfahrungen berichtet
25-49%
Leichte Anzeichen
Einige ADHS-bezogene Erfahrungen
50-74%
Mäßige Anzeichen
Deutliches Vorhandensein ADHS-bezogener Erfahrungen
75-100%
Stärkere Anzeichen
Viele ADHS-bezogene Erfahrungen berichtet

Neurodivergenzfreundliches Design

Wir haben diese Bewertung gezielt für neurodivergente Nutzerinnen und Nutzer gestaltet und dabei Erkenntnisse aus der ADHS-Forschung sowie bewährte Praktiken der Barrierefreiheit einbezogen:

Geringere kognitive Belastung

Eine Frage nach der anderen mit großzügigem Freiraum, um Überforderung zu vermeiden

Klare Fortschrittsanzeige

Eine visuelle Fortschrittsleiste begegnet Unsicherheit und Herausforderungen der Zeitwahrnehmung

Beruhigende Farbpalette

Sanfte, gedämpfte Farben reduzieren visuelle Reize und Angst

Unterstützende Sprache

Eine wertfreie Formulierung anerkennt vielfältige Erfahrungen

Kontextbezogene Hinweise

Jede Frage enthält Beispiele, um das Verständnis zu erleichtern

Sofortiges Feedback

Sofortige Ergebnisse erfüllen das Bedürfnis nach unmittelbarer Rückmeldung

Grenzen & wichtige Hinweise

1

Kein diagnostisches Instrument

Dies ist ein Screening-Instrument, keine klinische Diagnose. ADHS kann nur von qualifizierten Fachleuten durch eine umfassende Beurteilung diagnostiziert werden, einschließlich klinischer Interviews, Verhaltensbeobachtungen und dem Ausschluss anderer Erkrankungen.

2

Verzerrung durch Selbstauskunft

Selbstbewertungen beruhen auf der eigenen Wahrnehmung und Erinnerung, die von der aktuellen Stimmung, jüngsten Erlebnissen oder einer eingeschränkten Selbstwahrnehmung von Symptomen beeinflusst werden können.

3

Symptomüberschneidungen

Viele ADHS-Symptome überschneiden sich mit anderen Erkrankungen wie Angststörungen, Depression, Schlafstörungen, Schilddrüsenproblemen und Traumafolgen. Eine professionelle Beurteilung ist nötig, um sie zu unterscheiden.

4

Fokus auf Erwachsene

Diese Bewertung ist für Erwachsene konzipiert. Die ADHS-Beurteilung bei Kindern erfordert spezialisierte Instrumente und professionelle Beobachtung in mehreren Umgebungen.

5

Kulturelle Überlegungen

Die Erscheinungsform und Wahrnehmung von ADHS variiert je nach Kultur. Dieses Tool basiert vorwiegend auf westlichen Diagnosekriterien und bildet vielfältige Erfahrungen möglicherweise nicht vollständig ab.

Quellen & weiterführende Literatur

American Psychiatric Association. (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (5th ed.). Arlington, VA: American Psychiatric Publishing.

Kessler, R. C., et al. (2005). The World Health Organization Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS): a short screening scale for use in the general population. Psychological Medicine, 35(2), 245-256.

Barkley, R. A. (2015). Attention-Deficit Hyperactivity Disorder: A Handbook for Diagnosis and Treatment (4th ed.). New York: Guilford Press.

Shaw, P., et al. (2014). Emotion dysregulation in attention deficit hyperactivity disorder. American Journal of Psychiatry, 171(3), 276-293.

Hupfeld, K. E., et al. (2019). Living "in the zone": hyperfocus in adult ADHD. ADHD Attention Deficit and Hyperactivity Disorders, 11, 191-208.

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